Microblading Profi Tip #3: Muss es bluten?

Microblading Profi Tip #3: Muss es bluten?

Bluten oder nicht bluten? (Das ist hier die Frage)

Als erfahrene Pigmentierer sind wir Blut zwar gewöhnt, doch funkt es uns bei unserer Arbeit hin und wieder ungewollt dazwischen. Viele fragen sich, ob starkes Bluten während der Behandlung den Farbeintrag negativ beeinflusst. Eines Vorweg: Wo etwas "rausfließt", kann nicht gleichzeitig etwas "reinfließen".

Manchmal kommt das Blut leicht punktuell an die Oberfläche und nach einmaligem Wischen fließt nichts nach. Diese Art von Blutung hat keinen Druck und auch keine Fließgeschwindigkeit. Man kann prima damit arbeiten und es ist sogar in den meisten Fällen eine Indikation für die Einwandfreie Tiefe der Blade (Sweet Spot). Soll aber nicht heißen dass man auf Gedeih und Verderb so lange und so tief bladet bis es punktuell blutet. Manche bluten auch garnicht! Nicht mal ein bischen. Das ist völlig ok und bedeutet nicht immer, dass man zu oberflächlich arbeitet.

Dann gibt es diejenigen, die trotz keinerlei Medikamenteneinnahme (Blutverdünner) oder Kaffeekonsum bluten. Und zwar mit einer gewissen "Fließgeschwindigkeit", dass man mit dem Wischen kaum hinterherkommt. Kaum hat man die Stelle frei gewischt, gibt es einen erneuten Bluteinschuss und man sieht nicht mehr wo man arbeitet. Bitte nicht verzweifeln. Das hat nicht immer mit zu viel Druck oder Tiefe der Blade zu tun. Manche bluten einfach stark bei dem kleinsten/oberflächlichsten Kratzer. Wir haben hierdurch keinerlei Nachteile was den Farbeintrag betrifft. Wir müssen nur darauf achten, dass wir trotz der starken Blutung nicht nachlässig werden was die Sättigung betrifft.

Manche sind einfach nur erleichtert, dass es aufgehört hat zu bluten und danach gehen sie nie wieder an die Stelle zurück um sie zu sättigen. Das ist genau der Fehler. Hier muss trotzdem die nötige Sorgfalt und ein zweites bzw. drittes mal jedes Härchen nachgezogen werden. Sonst erlebt man bei der Nacharbeit eine böse Überraschung und es ist keine Farbe mehr in der Haut. Es ist nicht leicht eine blutende Stelle nochmal "anzuritzen". Und natürlich blutet es danach wieder etwas doller. Das Timing ist in dem Fall entscheidend. Wenn es stark blutet haben wir nur einen kurzen Moment, in dem wir das Härchen ein zweites Mal sauber treffen und nachziehen können. Nämlich kurz nach dem Wischen. Versucht einfach, dem Blut zuvorzukommen und schneller zu arbeiten, als das Blut fließen kann. Klingt kompliziert? Ist aber mit dem perfekt sitzenden Handgriff und ein wenig Übung spielend leicht.

Ein weiterer kritischer Punkt bei stark blutenden Kundinnen ist die Farbmaske. Natürlich tragen wir die Farbmaske so schnell wie möglich nach dem "Anritzen" auf damit die Kerbe frisch geöffnet ist und sie keine Zeit hat sich in der Zwischenzeit wieder zu schließen. Das bedeutet, dass es unter der Farbmaske nachblutet. Das ist nicht schlimm. Lässt man die Farbmaske einen Augenblick drauf, wird die Blutung von ganz allein aufhören. Man kann unter der Farbmaske sehen, ob noch Blut nachfließt oder nicht. Meistens hat sich ein dünner "Blutteppich" darunter gebildet. Sobald es aufgehört hat einfach die Farbmaske erneuern oder nochmals mit dem Mikrostäbchen verreiben. Dieser Arbeitsschritt ist extrem wichtig denn wie schon Eingangs erwähnt: Wo etwas "rausfließt" kann nicht gleichzeitig etwas "reinfließen".

Auch die Aufklärung des Kunden spielt eine entscheidende Rolle, um starke Blutungen zu vermeiden. Denn Blutverdünnende Medikamente wie (ASS, Aspirin, Heparin etc.), Kaffee und Alkohol machen uns das Leben und vor allem das Bladen nicht leichter.  Am selben Tag vor der Behandlung sollte der Kunde daher tunlichst auf Alkohol und Kaffee verzichten. Kleiner Tipp: Vor dem Kunden bitte nicht von „bluten“ reden sondern lieber das Wort „lymphen“ verwenden. Das klingt wesentlich weniger dramatisch und schreckt ihn nicht ab ;) Weiterhin bitte auf keinen Fall dem Kunden zum Absetzen seiner Medikamente raten, sollte er welche nehmen. Natürlich würde uns dies in die Karten spielen, denn wir könnten ihn bedenkenlos bei uns im Studio behandeln. Dennoch fehlt uns hierzu ganz klar die Befugnis! Falls der Kunde jedoch auf ärztlichen Rat hin die Medikamente abgesetzt hat, darf er ruhig nach ca. 7 bis 10 Tagen pigmentiert werden, da das Medikament sich dann nachweislich nicht mehr im Blutkreislauf befindet.

Also bitte nicht verzagen, wenn der Kunde etwas stärker blutet als euch lieb ist. Im schlimmsten Fall wird die Farbe leicht herausgespült und ihr macht es bei der Nacharbeit wieder wett ;) Damit euch die Vorzeichnung nicht komplett verwischt, ist es übrigens sinnvoll, wichtige Messpunkte mit unserem wasserabweisenden Hautmarker zu setzen. Und nicht vergessen, ihr Lieben. Keep on blading ;) Talent ist gut, Fleiß ist besser.

Euer Team WOWbrows